Im Gespräch mit PD Dr. med. Gerd Gauglitz

Gespräch Dr. Gauglit Teaser

Leiter der Abteilung für Ästhetische Dermatologie und Lasermedizin
in der Ludwig-Maximillians-Universität München

Dr. med. GauglitzTop Magazin: Herr Dr. med. Gauglitz, als bekannter Narbenspezialist wurden Sie als Dozent von dem DDL-Präsidenten
Dr. med. Gerd Kautz nach Trier eingeladen, um hier im November einen Vortrag zu halten. Was wird der Schwerpunkt sein?
Dr. med. Gauglitz: In erster Linie die Behandlung von Keloiden, den sogenannten Wulstnarben, und hypertrophen Narben. Für beide Narbentypen stehen uns zunehmend weitere Therapieverfahren zur Verfügung, die diese Art von überschießender Narbenbildung zwar nicht wegzaubern können, aber immerhin deutlich verbessern. Ein großer Fokus meines Vortrags wird auf dem Einsatz von fraktionierten Lasern liegen, eine Lasertechnologie, die in den letzten Jahren auch für die Verbesserung von vor allem hypertrophen Narben immer besser untersucht ist.

Top Magazin: Können Sie unseren Lesern kurz erläutern, wie Narben entstehen und welche Unterschiede es gibt?
Dr. med. Gauglitz: Narben entstehen in der Haut als Folge einer tieferreichenden Verletzung. In Abhängigkeit von Lokalisation, Ursache, Heilungsverlauf und genetischer Veranlagung zeigen sich Narben in unterschiedlichen Formen. Heutzutage unterscheidet man üblicherweise reife, unreife, atrophe, hypertrophe Narben und Keloide. Letztere sind häufig mit Juckreiz und expansivem Wachstum assoziiert und können neben teils signifikantem Spannungsgefühl und Schmerzen auch zu ausgeprägten kosmetischen und psychischen Problemen führen.

Top Magazin: Für wen kommt eine Narbenkorrektur in Frage?
Dr. med. Gauglitz: Aufgrund der ständig zunehmenden ästhetischen Ansprüche unserer Gesellschaft ist es häufig die rein kosmetische Verbesserung von roten, leicht erhabenen oder eingesunkenen Narben. Leider gibt es aber auch viele Fälle von Narben, die extremen Juckreiz, Schmerzen oder gar Bewegungseinschränkungen verursachen können, hier ist eine Behandlung aufgrund des ausgeprägten Leidensdrucks immer indiziert. Ebenfalls häufige Indikationen stellen die Behandlung von Ritznarben oder Verbrennungsnarben dar. Hier spielen die oben erwähnten fraktionierten Laser inzwischen eine wichtige Rolle.
Die Indikation zur chirurgischen Narbenkorrektur wird dagegen heutzutage zurückhaltend gestellt und wird normalerweise erst dann durchgeführt, wenn die Narbe zur Ruhe gekommen ist (nach ungefähr 12 Monaten). Ausnahmen bilden extreme Spannung auf die Wundränder oder Bewegungseinschränkungen im Narbenbereich. Besonders bei Keloiden sollte man sämtliche nicht-operativen Behandlungsalternativen ausschöpfen, da operative Ansätze hier äußerst häufig zum Wiederauftreten der Wulstnarben kurz nach der operativen Entfernung führen können.

Top Magazin: Welche Ergebnisse können erzielt werden?
Dr. med. Gauglitz: Nach wie vor können wir Narben nicht wegzaubern. Wir sind inzwischen aber in der Lage, Symptome wie Schmerzen, Juckreiz und mögliche Bewegungseinschränkungen effektiv zu behandeln. Kosmetisch sind bei entsprechender Geduld zum Teil verblüffende Ergebnisse möglich. Das hängt aber sehr von der Erfahrung des behandelnden Arztes, den zur Verfügung stehenden Geräten und dem zeitlichen Aufwand für den Patienten ab.

Weitere Informationen zur Narbentherapie finden Sie unter www.gerdkautz.de